Ein Gespenst geht um in Bayern

das gewerkschaftspolitische Seminarprogramm

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, manchmal muss auch ein guter Vortrag her. Deshalb gibt es selbstverständlich 2017 wieder zahlreiche Angebote zu gesellschaftskritischen Themen. Hier eine Übersicht.

DGB Bildungswerk Bund

14.06.2017. Sachgrundlose Befristungen - ein Massenphänomen

09.06.2017. Großbritannien: Erfolg für Labour, Wahlpleite für May

29.03.2017. Energiewende

Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

17. Oktober: Faschismustheorie der Kommunistischen Internationale

Die Kommunistische Internationale hat das Wesen und die Gefahr des Faschismus in einer bisweilen grotesken Art und Weise verkannt. Darüber spricht der Philosoph und Politikwissenschaftler Hendrik Wallat im kommenden Tagesseminar.

Die Kommunistische Internationale (Komintern, KI) war eine Antwort auf die imperialistische Massenschlächterei des 1. Weltkriegs und das Versagen der sozialdemokratischen Massenparteien, diese zu verhindern. Nach der siegreichen Russischen Oktoberrevolution wurde die KI im März 1919 unter maßgeblicher Federführung Lenins gegründet. Sie sollte als „einheitliche kommunistische Partei der ganzen Welt“ (Statuten der KI 1920) die unmittelbar erwartete Weltrevolution (nach russischem Vorbild) organisieren.

Bekanntlich wurde dieser Traum nicht Wirklichkeit. Statt zur Weltrevolution kam es zur Konsolidierung der jungen Sowjetunion, die sich spätestens nach dem Tode Lenins 1924 zu einer bürokratisch-terroristischen Diktatur wandelte. Diese bediente sich zunehmend der KI als Instrument ihrer staatsstrategischen Außenpolitik. Aus einer diskussionsfreudigen Organisation des authentischen Weltbolschewismus wurde sie ein Mittel der stalinistischen Herrschaft, die sich ihrer, als es opportun erschien, dann auch 1943 im Zeichen des „Großen Vaterländischen Kriegs“ entledigte.

Diese Entwicklung der KI spiegelt sich in ihrer Diskussion des Faschismus wider. Diese beginnt frei und offen, verliert aber zusehends an Realitätsgehalt und wird vollständig der Staatsraison der SU unterworfen, was ihre bisweilen absurden Wendungen mit bedingt. Freilich, und das steht im Zentrum des Seminars, war die Faschismustheorie der KI bereits von Anfang an ihrem Gegenstand aus prinzipiellen theoretischen Gründen nicht gewachsen: Ihre (auf Lenin zurückgehende) ökonomistisch und personalistisch verkürzte Gesellschafts- und Politiktheorie hat das Wesen und die Gefahr des Faschismus in einer bisweilen grotesken Art und Weise verkannt. Dies war nicht bloß das zufällige Resultat von Machtkämpfen in den stalinistischen Apparaten, sondern ist im Marxismus-Leninismus selbst begründet.

Referent: Hendrik Wallat, Philosoph und Politikwissenschaftler

Anmeldeschluss: Freitag, 9. Oktober 2015
Seminarbeginn: Samstag, 17. Oktober 2015, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 17. Oktober 2015, 17:30 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

19. September: AfD, Pegida, ALFA und Co.

Was sind das für Bewegungen und was können die Gewerkschaften tun? Eine Seminar mit Robert Günthner, Leiter der Abteilung Politische Planung beim DGB Bayern und Wolfgang Veiglhuber, DGB Bildungswerk Bayern.

Die im Frühjahr 2013 gegründete AfD sowie die im Winter 2014/2015 entstandenen Pegida-Aktivitäten und die jeweils dahinter stehenden inhaltlichen und ideologischen Auffassungen stehen im Mittelpunkt dieses Seminars. Selbstverständlich werden auch die diversen Spaltungsprozesse im Seminar behandelt – bis hin zur Gründung von ALFA im Juli 2015.

Dabei geht es uns weniger um die Vorgeschichte einzelner Figuren in diesen politischen Szenen, auch weniger um die teils offenen, teils verdeckten Beziehungen von Personen und Gliederungen zur rechten Szene, sondern im Kern um zwei Fragestellungen: Einerseits interessieren uns die inhaltlichen Positionen dieses Spektrums vor dem Hintergrund der Lage in Europa und der Welt und andererseits wollen wir herausarbeiten, was genau die Essenz ist, die viele Bürgerinnen und Bürger an diesen politischen Kräften anspricht, was also die Anknüpfungspunkte im Alltagsbewusstsein von Menschen ausmachen.

Selbstverständlich wird unser Thema im Kontext gewerkschaftlichen Handelns präsentiert, d. h. Folie der Auseinandersetzung ist immer die Tatsache der Lohnabhängigkeit und deren spezielle Konsequenz für gesellschaftliches und politisches Denken von Kolleginnen und Kollegen. Denn es liegt auf der Hand: auch ein nicht geringer Teil der Gewerkschaftsmitglieder fühlt sich von den Auffassungen angesprochen, die im Spektrum von AfD, ALFA und Pegida vertreten werden, manche mehr, manche weniger, und das an durchaus unterschiedlichen Themen wie Euro oder Flüchtlingspolitik und in verschiedenen Mischformen.

Nicht zuletzt deshalb soll am Ende des Seminars eine Diskussion über gewerkschaftliche Strategiefragen stehen. Wenn nicht alles täuscht, werden weder die Probleme in der EU abnehmen, noch werden die Flucht-bewegungen von verzweifelten Menschen zurückgehen. Dies lässt einen Aufschwung rechter Kräfte als wahrscheinlich erscheinen. Für Gewerkschaften und DGB wiederum ergeben sich daraus Aufgaben im klassisch antifaschistischen Sinne und in der Auseinandersetzung mit der weltweiten Entwicklung des Kapitalismus.

Referent: Robert Günthner, DGB Bayern, Leiter der Abteilung „Politische Planung“;
Wolfgang Veiglhuber, DGB Bildungswerk Bayern

Anmeldeschluss: Freitag, 11. September 2015
Seminarbeginn: Samstag, 19. September 2015, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 19. September 2015, 17:30 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

18. Juli: Staat und Recht in der Marxschen Theorie

Wie hängt der Rechtsstaat mit dem Kapitalismus zusammen? Diese und verwandte Fragen wird das DGB Bildungswerk Bayern zusammen mit Ingo Elbe (Universität Oldenburg) und den Teilnehmenden des Seminars diskutieren.

Es gibt kaum eine aktuelle gesellschaftliche und politische Frage, die nicht in irgendeiner Weise mit staatlichen und rechtlichen Gesichtspunkten verbunden ist. Doch die Begrenzung von Kapitalismuskritik auf Neoliberalismuskritik, wie sie in den letzten zehn Jahren üblich geworden ist, hat gerade nicht dazu beigetragen, eine angemessene Beurteilung und einen erhellenden Begriff von „Staat“ zu entwickeln.

Um sich mit solchen Auffassungen auseinanderzusetzen, ist es angebracht und fruchtbar, sich an Erklärungsansätze moderner Staatlichkeit zu erinnern, die im Werk von Karl Marx zu finden sind. Daran schließen sich selbstverständlich viele Fragen an, die auch mit gewerkschaftlichen Strategievorstellungen verbunden sind: Staat- und Rechtsgleichheit, sozialstaatliche Eingriffe und die gängigen Formen der Demokratie.

Referent: Dr. Ingo Elbe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 2010 erschien in 2. Auflage sein Buch "Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965". Ende Juli 2015 erscheint sein Buch "Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt".

Anmeldeschluss: Freitag, 10. Juli 2015
Seminarbeginn: Samstag, 18. Juli 2015, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 18. Juli 2015, 17:30 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

27. Juni: Flucht und Flüchtlingspolitik

Dieses Seminar beschäftigt sich nicht zuletzt aufgrund aktueller Entwicklungen mit den Ursachen der weltweiten Fluchtbewegungen, der europäischen Flüchtlingspolitik und der öffentlich-medialen Besprechung der unübersehbaren Opfer der jüngsten Ereignisse.

Folgende Überlegungen werden im Seminar begründet und diskutiert:
- Die toten Geflüchteten sind – auch wenn das niemand in Politik und Öffentlichkeit so sagen will – für die ökonomischen Interessen der führenden Staaten und ihrer Unternehmen unvermeidlich.

- Die Grenztoten sind nicht Opfer „gewissenloser Schleuserbanden“, die der Innenminister und andere Politiker pressewirksam verantwortlich machen wollen, sondern sie sind die Folge einer effizienten Abriegelung der europäischen Außengrenzen, für die nicht zuletzt Deutschland entschlossen einsteht.

- Die Toten sind nicht Opfer „unserer aller“ Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber dem Leid der Flüchtenden, wie dies etwa Presse und Bundespräsident glauben machen wollen, sondern sie sind Resultate der ökonomischen, politischen und militärischen Erfolgsstrategie eines Staates, dem – allem Elend zum Trotz – die uneingeschränkte Loyalität der „vierten Gewalt“ gilt.

- Die toten Geflüchteten bezeugen nicht das „Scheitern der europäischen Flüchtlingspolitik“, sondern sie sind Ausdruck erfolgreicher Grenzsicherung.

- Die nun vielfach öffentlich präsentierte Betroffenheit gilt nicht den toten Geflüchteten. Scham und Trauer gelten dem weltweiten Ansehen des europäischen Staatenbündnisses, seiner Parteigänger und seiner oft gepriesenen überlegenen Werte.

Im letzten Teil des Seminars werden die aktuellen Positionen des DGB zu Flucht und Flüchtlingspolitik erläutert und besprochen.

Referent: Prof. Dr. Arian Schiffer-Nasserie Hochschullehrer für Politikwissenschaft an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum.

Anmeldeschluss: Freitag, 19. Juni 2015
Seminarbeginn: Samstag, 27. Juni 2015, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 27. Juni 2015, 17:30 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

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