Ein Gespenst geht um in Bayern

das gewerkschaftspolitische Seminarprogramm

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, manchmal muss auch ein guter Vortrag her. Deshalb gibt es selbstverständlich 2017 wieder zahlreiche Angebote zu gesellschaftskritischen Themen. Hier eine Übersicht.

DGB Bildungswerk Bund

14.06.2017. Sachgrundlose Befristungen - ein Massenphänomen

09.06.2017. Großbritannien: Erfolg für Labour, Wahlpleite für May

29.03.2017. Energiewende

Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

24. Juni: Die Ursachen des 1. Weltkrieges im Lichte aktueller Kontroversen

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Reihe 100 Jahre Beginn des 1. Weltkrieges mit dem Referent PD Dr. habil. Reiner Tosstorff im Münchner Gewerkschaftshaus.

Vor 100 Jahren wurde der 1. Weltkrieg begonnen. Der entsetzliche millionenfache Tod von Soldaten und Zivilisten wird hinsichtlich der Verursacher bis heute kontrovers diskutiert. Weniger diskutiert wird allerdings über seine Ursachen. Gerade publikumswirksame Buchveröffentlichungen der jüngsten Zeit haben Diskussionen hervorgerufen, denen die Relativierung der politischen Verantwortung des Deutschen Kaiserreichs für diesen Krieg allzu deutlich anzumerken ist.


Für die Gewerkschaften ist es zudem von besonderer Bedeutung, das damalige Verhalten der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und deren Repräsentanten kritisch zu reflektieren. Wie förderte der positive Bezug auf Nation, Volk und Vaterland die Zustimmung zum Krieg mit all den grausamen Konsequenzen?

Dr. Reiner Tosstorff, Historiker an der Universität Mainz, wird in seinem Vortrag die Ursachen des 1. Weltkrieges umreißen, die aktuellen Kontroversen bewerten und einen besonderen Blick auf das seinerzeitige Verhalten von SPD und Gewerkschaften werfen. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Uhrzeit: Dienstag, 24. Juni 2014, 19:00 – 22:00 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München

21. Juni 2014: Kapitalismuskritik und die Frage nach den Alternativen

In diesem Tagesseminar erörtert Dr. Hermann Lueer, ob es um eine bessere Marktregulierung geht oder ob die Aufhebung des Kapitalismus anzustreben ist.

Fehler in der Erklärung der Ursachen einer störenden Wirkung setzen sich gewöhnlich in einem falschen Lösungsvorschlag fort. Wer sich Armut als Folge von Marktversagen erklärt, sucht nach Alternativen der Marktregulierung. Wer sich Armut als notwendige Folge der marktwirtschaftlichen Produktionsverhältnisse erklärt, will diese Verhältnisse abschaffen. Jede Alternative zur kapitalistischen Wirklichkeit ist daher nur so gut wie die ihr zugrunde liegende Erklärung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, zu denen sie eine Alternative sein soll. Dementsprechend geht es in diesem Seminar nicht darum, unabhängig von den Gründen für weltweit zu beobachtende Verarmungsprozesse eine bessere Welt auszumalen, sondern darum, aus der kritischen Erklärung des Kapitalismus die Grundprinzipien einer Ökonomie und Gesellschaft jenseits dieses Produktionsverhältnisses abzuleiten. Kritik und Alternativen werden so zusammengebracht.

Da die Frage nach der Alternative zur globalisierten marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung gerne mit dem Hinweis auf das Scheitern des „Realsozialismus“ zurückgewiesen wird, bzw. dieses Scheitern in den Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen zu starker Verunsicherung geführt hat, soll die Auseinandersetzung mit den Fehlern der „Realsozialisten“ im Seminar ausführlich erfolgen. Dabei soll ausgiebig die Frage erörtert werden, ob es nur um eine bessere Marktregulierung geht oder ob die Aufhebung des Kapitalismus anzustreben ist.

Referent:  Dr. Hermann Lueer

Anmeldeschluss: Freitag, 13. Juni 2014
Seminarbeginn: Samstag, 21. Juni, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 21. Juni 2014, 17:30 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: siehe Flyer

24. Mai 2014: Reihe zum 1. Weltkrieg: „Kriegssozialismus“

In diesem dritten Seminar unserer Seminarreihe zum Ersten Weltkrieg geht es um die Entwicklung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung 1914 – 1918.

Diskutiert werden soll die Entwicklung von der für viele Zeitgenossen überraschenden und nicht selten als „Verrat“ gebrandmarkten Befürwortung des Krieges durch SPD und Gewerkschaften im Sommer 1914 bis zum Beginn der Novemberrevolution 1918, die den Frieden ermöglichte.

Auffällig sind dabei die plötzlichen Kurswechsel der Arbeiterbewegung: von angeblicher nationaler Euphorie zu Kriegsbeginn über wachsenden Unmut bis hin zu politischen Streiks und massenhafter Radikalisierung seit 1916. Blickt man tiefer, wird klar, dass der Krieg Widersprüche offenlegte, die schon länger angelegt waren. Trotz organisatorischer Einheit gab es die unterschiedlichsten Vorstellungen zum politischen Kurs der sozialistischen Bewegung, die im Krieg grell hervortraten. Doch durch die Dominanz der Kriegsfrage ergaben sich auch Kombinationen, die dem gewohnten rechts-links-Schema widersprechen: nicht nur bekannte Persönlichkeiten der Linken wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, sondern auch Revisionisten und Zentrum der SPD wie Eduard Bernstein und Karl Kautsky sprachen sich gegen den Krieg aus. Die Auseinandersetzung war zudem nicht beschränkt auf die Flügelkämpfe in der SPD: es war die Gewerkschaftsbasis, die mit den Massenstreiks ab 1916 diewirksamsten Zeichen gegen den Krieg setzte und die Novemberrevolution vorbereitete.

Das Seminar will einen Überblick über Akteure, Ideen und Handlungen der Arbeiterbewegung von 1914 bis 1918 geben. Ziel ist dabei nicht das rückblickende Finden einer einzig richtigen Strategie, sondern das Nachvollziehen von Interessen und Konflikten, die zur Neuorganisation der politischen Landschaft führten.

Referent: Dr. Ralf Hoffrogge, Historiker

Anmeldeschluss: Montag, 19. Mai 2014
Seminarbeginn: Samstag, 24. Mai 2014,
9:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 24. Mai 2014, 17:30 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München Schwanthalerstraße 64 80336 München
Foto: ver.di-Archiv

Zum Veranstaltungsflyer


22. Mai 2014: Buchvorstellung "Finanzmarktkapitalismus"

Die gängige Vorstellung, der derzeitige Kapitalismus sei als „globaler Finanzmarktkapitalismus“ richtig beschrieben, wird in aller Regel kaum mehr hinterfragt. Prof. Dr. Wolfgang Krumbein widerspricht dieser Kriseninterpretation und Zeitdiagnose.

Prof. Dr. Wolfgang Krumbein und seine Mitautoren Julian Fricke, Fritz Hellmer und Hauke Oelschlägel widerlegen die These von den aufgeblähten Finanzmärkten, die angeblich die Realökonomie dominieren, anhand umfangreicher empirischer Daten. Damit widersprechen sie auch populären Überzeugungen, wonach wir es mit einer „Entkoppelung“ von Realkapital und Finanzkapital zu tun haben: „Bei der Analyse der Krise 2007/09 und der zyklischen Erholung seit 2009 wird die Bedeutung von Strukturentwicklungen in der Realökonomie und von politischen Steuerungseingriffen systematisch unterschätzt“. Und sie bestreiten die Auffassung, mit dem „Finanzmarktkapitalismus“ habe sich eine neue Form des Kapitalismus herausgebildet.

Die Autoren plädieren für die Bewahrung einer Un-voreingenommenheit im linken analytischen Denken, die eine mögliche Revitalisierung des Kapitalismus zumindest nicht ausschließt und von überraschenden Entwicklungen nicht überrollt wird.

Die Buchvorstellung soll die Möglichkeit bieten, diese Fragestellungen kontrovers zu diskutieren.

Referent: Prof. Dr. Wolfgang Krumbein
Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Regionalforschung an der Universität Göttingen

Veranstaltungsbeginn: Donnerstag, 22. Mai 2014, 18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München, Raum C. 0. 05

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